Nach 4 Jahren Gleitschirmfliegen sollte es wieder mal zum Bergsteigen gehen. Einige bergsteigerische Aktivitäten waren noch offen. Final entschieden wir uns für das Karwendelgebirge! Da es in den Nordalpen am Samstag noch sintflutartige Regenfälle gab reisten wir erst am Sonntag gegen Mittag an. Wir wir später von anderen Wanderern erfuhren gab es um Garmisch sogar so starke Überschwemmungen, daß einige Standard-Reisestraßen gesperrt waren und zu massiven Behinderungen führten. Dahingehend hatten wir mal wieder Schwein, obschon wir eine Ausweichstrecke am Kochel- und Walchensee nutzten, die aber sehr schön war.

Nungut, gegen Mittag standen wir also am Ortsausgang von Scharnitz auf dem Karwendel-Wanderparkplatz. Das Wetter war stabil, wolkig und auf der Höhe lag Schnee. Mit dem Schnee hatten wir gar nicht gerechnet! Wir packten unsere Ruckis und zogen los zur Pleisenhütte. Wie so oft überkommt einen dann das Gefühl des Loslassens, aber auch der Gedanke „Hab-ich-alles?“. Letztlich hatten wir aber alles dabei.

Der Weg zur Pleisenhütte verläuft erst fast langweilig auf der Straße in Richtung Wiesenhof, dem letzten Gasthof an der Isar. Tatsächlich ist der Weg lediglich dadurch interessant, daß man eben an der Isar entlanggeht. Dann endlich geht ein Schotterweg nach links hoch. Bis auf einige kleine Abkürzungen ist dies auch direkt der Weg zur Pleisenhütte. Insgesamt kamen uns nur einige wenige Wanderer und eine Mountainbikerin von der Hütte entgegen, ansonsten kann man sich schon mal an das extrem ruhige Karwendelgebirge gewöhnen. Die Aussicht bietet teils dann auch den Blick ins Karwendeltal, in dem ja mehrfach schon der Karwendelmarsch von Martin bestritten wurde. Uns bot sich ein traumhafter Blick auf die schneebewehrten Gipfel der westlichen Karwendelberge.

Der Weg bleibt recht unschwierig bis nach einer längeren Geraden endlich die Pleisenhütte auf der linken Seite auftaucht. Kurz vorher bietet sich der erste fantastische Ausblick gen Süden auf die Gleirsch-Gruppe, die Nordkette und noch ewig viele Bergketten dahinter. Von der Pleisenhütte aus konnte man noch nach Scharnitz und Seefeld schauen, sowie auf das Wettersteingebirge. Kurz vor Ankunft an der Pleisenhütte fanden wir schon die ersten Schneereste.

Die Pleisenhütte – eine wunderschöne Hütte mit einer verrückten Geschichte. Wir wurden freundlich von Simone, der Hüttenwirtin, empfangen. Außer uns war nur noch ein Berliner anwesend. Wir durften uns tatsächlich ein Zimmer aussuchen, wo wir uns dann, entgegen der Norm, ordentlich ausbreiten konnten. Lediglich der Gastraum ist einigermaßen gedämmt und geheizt, in den anderen Räumen ist es eher kalt. Die Hütte ist aber immer noch recht luxuriös; zwar mit einem Plumpsklo draußen, aber auch zwei „normalen“ Toiletten in der Hütte, nebst 2 Waschbecken mit dem guten rattenkalten Bergwasser.

Nachdem wir es uns gemütlich gemacht hatten und wieder im warmen Gastraum saßen, tauchte Hüttenchef Siggi auf und erzählte uns, daß er gerade noch auf der Pleisenspitze, quasi dem Hausberg, war. Leider riet er uns, ebenso wie Simone, davon ab den von uns geplanten Toni-Gaugg-Weg zu gehen. Da es oben fast 50cm Neuschnee gegeben hatte und der Weg sowieso schon schlecht zu finden sei, planten wir dann auch um und wollten am nächsten Tag auf die Pleisenspitze. Da Siggi den Berg ja soeben bestiegen hatte sollte dieser Weg gut zu finden sein. Trotzdem war es für uns zu diesem Zeitpunkt noch schade, da wir unsere gesamten Pläne somit schon am ersten Tag über Bord werfen mussten.

Am späten Nachmittag kamen noch drei weitere Wanderer an, die uns eben von den chaotischen Straßensperren rund um Garmisch berichteten. Weiterhin wollten die drei trotz Siggis Warnung den Toni-Gaugg-Weg gehen. Wir aber blieben bei unserer Entscheidung.

Nach einem köstlichen Abendessen folgte der übliche Hütten-Abend mit  Geschichten aus den Bergen, von Touren, Klettersteigen, Hüttenübernachtungen und und und…

Nach einer kühlen Nacht wachten wir morgens um 7Uhr auf. Der Blick durch das kleine Fenster unseres Zimmers zeigte: Kaiserwetter! Nach einem gemütlichen Frühstück mit einem für Hüttenverhältnisse sehr feinen Buffet packten wir unsere Sachen und zogen los zur Pleisenspitze. Bei Traumwetter!

Unmittelbar hinter der Hütte steigt man auf und befindet sich sofort in Latschenkiefern. Nach einigen Hundert Metern kommt man an die Weggabelung Toni-Gaugg-Weg oder Pleisenspitze. Nur ein paar Meter oberhalb findet man die Vorderkarhöhle, der wir auch einen kurzen Besuch abgestattet haben. Dann steigen wir relativ geradlinig zum Gipfel auf, den man auch schon früh sehen kann. Wir können die Spuren von Siggi und den Bergsteigern im noch niedrigen Schnee sehen, die gestern nach dem eigentlichen Schneefall noch oben waren. Das können aber nur sehr wenige Leute gewesen sein, denn so klar sind die Spuren nun auch nicht. Erst können wir auch noch problemlos die Steine auf dem Weg sehen, aber schon kurze Zeit später laufen wir im Schnee. Gefühlt dauert der Aufstieg auch eine kleine Ewigkeit, da sich alles ähnelt und wir nach wie vor recht gleichmäßig in Richtung Gipfel aufsteigen.

Die Schneehöhe steigt und steigt, bis einem irgendwann auch auffällt, daß man wirklich die Füße heben muss. Wie man sich vorstellen kann ist dies auch deutlich anstrengender als „nur“ zu wandern. Als wir auf die Schulter kommen können wir nach rechts in die Ferne gucken und da war schon klar: Es wird ein Traum sein am Gipfel! Und genauso war es: Gegen Mittag stehen wir beide alleine am Gipfel. Die Schneehöhe beträgt etwa 50cm. Die Sonne scheint. Und… der Blick ist ein TRAUM!!!! Selten hatten wir so einen tollen Gipfelblick! Vielleicht war es sogar der Beste bisher?!? Dann kommen noch die schneebedeckten Gipfel dazu. Wahnsinn!!! Man kann in das Karwendeltal blicken, auf die Innsbrucker Kette, zu den Ödlandspitzen und der Birkkarspitze, ins Wetterstein, zur Zugspitze, zu den Stubaiern und und und… Wir machen viele viele Fotos und Filme. In der verrückten digital vernetzten Welt können wir sogar einige WhatsApp´s rausschicken und werden da auch schon bejubelt. Das erfreut das Bergsteiger-Herz! Wie so oft vergeht die Zeit wie im Fluge. Als wir absteigen begegnen wir dem Berliner von der Pleisenhütte. Nach einem kurzen Schnack geht es für uns weiter. Der Abstieg gestaltet sich dann spannend, weil sich das Schritte-Setzen als schlüpfrige Angelegenheit erweist. Das geht auch tüchtig in die Oberschenkel, da man sich oft erst mal vortasten muss. Trotzdem gelingt uns der Abstieg wieder in einer guten Zeit. Den Cache an der Höhle können wir dann auch noch finden. An der gut besuchten Pleisenhütte werden wir von den Besuchern bewundernd gemustert, weil wir „von oben“ auf die Terrasse kommen. Nach einem Radler in der Sonne und einem neuerlichen Gespräch mit Simone und Siggi ziehen wir wieder ins Tal. Auf dem Weg ziehen sich die Wolken wieder vor die Sonne und wir stellen glücklich und zufrieden fest, daß wir den Tag perfekt genutzt haben!

Zusammengefasst erweist sich die Pleisenspitze ohne Schnee als wahrscheinlich technisch unkomplizierter Berg, der aber eine fantastische Rundumsicht auf das gesamte Karwendelgebirge bietet und mit etwas Glück auch noch viel weiter.

Gesamtstrecke: 13681 m
Maximale Höhe: 2569 m
Minimale Höhe: 929 m
Gesamtanstieg: 1757 m
Gesamtabstieg: -927 m
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