The show must go on

Endlich – ein Jahr ist vergangen und wir konnten nun an unserer Fliegerkarriere weiterarbeiten. Dieses Jahr fuhren wir ins Zillertal da Martin Samstags am Karwendelmarsch teilgenommen hatte. Das war die nächstgelegene Flugschule in der wir unsere geforderten Höhenflüge machen konnten.

Am Ankunftstag waren wir leider etwas spät dran und bekamen erstmal ein Schulungsvideo vorgeführt. Manfred nahm uns dann auf den Perler (550m üG) mit. Von hier starteten dann fast alle Schulungsflüge der nächsten Woche. Vorher sollten wir aber noch 1-2 Flüge vom Schulungshang vorführen. Dafür war jedoch das Wetter zu schlecht.

Auch der folgende Tag fiel komplett ins Wasser. Das Programm von DMAX ist uns jetzt geläufig…

Am dritten Tag (Dienstag) gings dann endlich los. 9:00Uhr an der Flugschule. Schirm und Gurtzeug gepackt und ab in den Wagen. Vorbei am Perler zum Schulungshügel.

Auf dem Weg dort hin noch schnell nen weiteren Fluglehrer samt Schüler eingeladen. Los gings. Wir absolvierten 2 Flüge nach Anweisung der Fluglehrer und durften ab dann vom Perler aus starten. Dank des Wetters war aber am Dienstag nach dem ersten Flug schon wieder Schluss.

Am Mittwoch war endlich mal schönes Wetter! Morgens war es noch recht frisch, aber im Gurtzeug ist ja genug Platz, um stückweise seine Klamotten loszuwerden. Der Standardtagesablauf blieb dann auch bis zum Ende des Urlaubs gleich: Aufstehen, frühstücken, fliegen fliegen fliegen, Klettersteig, Abendessen, Fernsehen, Bettchen hüten. Aber natürlich war es nicht immer gleich!

Am Mittwoch sollten wir das erste Mal „nicken“ und „rollen“. Für die Nichtflieger… „Nicken“ heißt, daß man im Wechsel den Schirm bremst und wieder gehen lässt. Dadurch hängt man unten wie an einer riesigen Schaukel. Das war schon ein ziemlich krasses Gefühl und beim ersten Mal auch durchaus respekteinflößend! Beim „Rollen“ ist es ähnlich, aber eben nicht nach vorne-hinten sondern nach rechts und links. Ein noch krasseres Gefühl stellt sich ein! Wenn man das Timing richtig raus hat geht es wirklich hoch hinaus zur Seite! Letztes Jahr haben wir als blutige Anfänger noch Bauklötze gestaunt und nun sollten wir diese Manöver selber durchführen. TOLL!

Nach fünf Höhenflügen vom Perler war dann Schluß. Zum Vergleich: Letztes Jahr beim Anfängerkurs hatten wir am Ende der Woche fünf Höhenflüge insgesamt im Flugbuch stehen.

Als perfekter Abschluß des Tages bot sich dann noch ein Klettersteig an. 5 Autominuten entfernt führen drei verschieden schwere Klettersteige in die Höhe, um an einer Hütte zu enden. Am Mittwoch wählten wir den „Huterlaner„, der mit einer Schwierigkeit C aufwartete, was unserer Meinung nach etwas dünn bewertet war. Das war uns aber letztlich ziemlich Schnuppe, denn wir genossen das Gefühl endlich mal wieder in einem ordentlichen Klettersteig unterwegs zu sein. An einem der Aussichtsmöglichkeiten konnten wir sogar noch die Flugkünste einer unserer Flugschulkumpels bewundern, der sich durch kräftigen Wind begünstigt an einer Steilwand immer höher treiben ließ.

Auf dem Klettersteig lag natürlich ein Cache, den wir zum Glück auch finden konnten.

Oben angekommen setzten wir uns an einem Tisch zu anderen Leuten hinzu und schnacken über Familie, Fliegen, Mountainbiken, Klettersteigen und und und. Nach dem schnellen Abstieg konnten wir einen weiteren Cache finden, zogen dann nach Hause, machten uns parat und gingen in unserem Stammlokal essen. Auf jeden Fall bekamen wir an diesem Tag schon das dicke Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht: 5 Höhenflüge und als „Nachtisch“ ein Klettersteig. Fantastisch! Der perfekte Tag!

Am Donnerstag war relativ gutes Wetter und dank der Sonne hatten wir das erste Mal in unserem kurzen Fliegerleben etwas THERMIK! Und das ist der Knaller! Wie von einem Staubsauger wird man nach oben gezogen. Wenn man Glück hat immer und immer wieder! Es ging zwar nicht besonders hoch hinaus, aber wir konnten die Höhe halten, bis wir von unserem Fluglehrer zum Landeplatz gebeten wurden. Schließlich heißt es ja auch Höhenflüge sammeln. Nach einigen Höhenflügen ging es zurück zur Flugschule, um die blutigen Anfänger auszuladen und im Anschluß hoch hinaus auf den Melchboden zu fahren. Dabei geschah ein folgeschweres Mißgeschick. Unser Fluglehrer sagte „Alles ausladen.“ und meinte damit eben die Anfänger. Mit diesem Arbeitsauftrag wurde leider auch Thorstens Gurtzeug aus dem Bus entfernt… von uns ungemerkt.

Nach 40 Minuten Fahrtzeit kamen wir endlich oben an und merkten was fehlt. Natürlich waren wir ziemlich unbegeistert. Thorsten hatte schon einen ordentlichen Hals! Letztlich war dann der Flug vom Melchboden trotz 1400m Höhendifferenz weitaus weniger spektakulär als ich gedacht hatte. Nach einigen Flugminuten kommt man nämlich genau über unserem Standardstartplatz „Perler“ wieder raus und nimmt den gewohnten Weg. Trotzdem war es der bislang größte Höhenunterschied und der längste Flug meiner jungen Fliegerkarriere.

Wieder an der Flugschule hielt es mich mal wieder nichtJpeg lange im Ruhemodus, während Thorsten mit dem frustrierenden Erlebnis nach Hause auf den Balkon an die Weißbierquelle zog. Ich wiederum habe mir den nächsten Klettersteig gegeben: Zimmereben. Dieser war wie ausgeschrieben noch eine Nummer härter. Hier dauerte es aber nicht lange bis ich im „Flow“ war und auch am Cache vorbeikletterte. Nach kurzer Zeit schon stand ich oben, hielt noch einen Schnack mit einem anderen Kletterer und lief dann wieder ins Tal.

Freitag. Was für ein glorreicher Tag! Denn heute haben wir beide „neue“ Schirme bekommen. Thorsten den AirDesign Eazy und ich den Airwalk Mescal 4. Beide Schirme hatten erst wenige Flüge auf dem Buckel und hiermit bedanken wir uns erneut für das Vertrauen der Fluglehrer in uns. Offensichtlich haben wir uns nicht völlig Banane angestellt…

Ich glaube wir beide hätten keinen Pfifferling darauf gewettet, daß die Schirme solch einen großen Unterschied ausmachen! Im Vergleich bestätigten wir beide, daß die neuen Schirme sich nun wie Sportwagen anfühlen gegenüber einem LKW vorher. Das Lenken war WELTEN direkter und die Handhabung noch einfacher. Und so hatten wir einen weiteren Tag großen Spaß und erneut 5 Flüge im Flugbuch stehen. Zusätzlich durften wir beim ersten Flug die „Ohren anlegen“. Hierbei handelt es sich um einen schnelleren Höhenverlust als der normale Flug, weil man die äußeren Enden des Schirms einklappt. „Ohren anlegen“ eben. Das war wesentlich unspektakulärer als gedacht. Dieses Manöver ist trotzdem wichtig, weil man damit bei schlechtem Wetter schnell Höhe verliert.

Das wars schon an diesem Tag??? Neeeeeeeee! Ein Klettersteig war noch übrig: die Pfeilspitzwand. Der Klettersteig zog sich relativ gemütlich dahin. Wir nutzten auch die Pausenmöglichkeit auf einer Holzliege mit toller Aussicht aufs Tal. Danach wieder ein schneller Abstieg, duschen, essen. Wie gehabt.

Am Samstag war leider schon der letzte Tag unseres diesjährigen Männertrips. Es blieb alles wie gewohnt: Höhenflüge sammeln vom Perler. Eigentlich wollten wir erneut vom Melchboden starten, aber leider blieb der entsprechende Berg den ganzen Tag in den Wolken und zeigte sich nicht. Dummerweise kam auch noch starker Wind auf, so daß an diesem Tag schon nach 4 Flügen Schluß war. Für die Rückfahrt war das relativ frühe Ende besser, aber wir wären gerne noch 9847720152 Mal geflogen. Oder öfter… Nach einem Abschlußgetränk mit unserem Fluglehrerchef Manfred und einigen anderen Schülern düsten wir dann nach zurück nach Hause. Auf dem Heimweg erst setzte sich die Erkenntnis durch: „Hey, wenn wir nächstes Jahr noch 3 gute Tage im Zillertal erwischen können wir unseren Pilotenschein machen. Dann sind wir… Piloten.“ Krass, ich hätte nie gedacht, daß ich mich in meinem Leben mal „Pilot“ nennen darf.

Hiermit bedanken wir uns recht herzlich bei Luca und Manfred von der Zillertaler Flugschule!!!! Ihr seid der Knaller und habt uns verdammt viel beigebracht!

Hier sind noch 4 GPS-Tracks. Beim ersten sieht man, dass ich kaum Höhe verloren habe während ich am Hang hin und her geflogen bin. Alle Flüge starten am Perler. Die Ersten 3 Flüge enden am Landeplatz Sidan und der 4. Flug endet vor der Flugschule – Landeplatz Bruggerstube.

Gesamtstrecke: 17260 m
Maximale Höhe: 1129 m
Minimale Höhe: 621 m
Gesamtanstieg: 169 m
Gesamtabstieg: -2148 m
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