Anfang Juli erreichte mich eine Email meines Freundes Christoph, die besagte, daß er sich für das Red Bull 26 Zoll-Rennen angemeldet hat und daß er sich freuen würde, wenn ich auch teilnehmen würde.

Ich mache da ja eigentlich nie eine große Überlegung draus, meine Rück-Email erfolgte nach 1 Minute mit einem großen KLAR ohne daß ich genau wußte, worauf ich mich da eigentlich eingelassen habe.

Worum gehts? Das Rennen hat nichts mit der langsam auslaufenden 26-Zoll-Größe bei Mountainbikes zu tun, wie man irrtümlich annehmen könnte. Es geht darum, daß man wie bei einem Orientierungslauf eben 26 Stationen anfahren muß. An den Stationen bekommt man dann jeweils eine Münze, so daß man nachweisen kann, daß man wirklich vor Ort war.  Welche Station man nun anfährt, welche Reihenfolge man wählt und ob man alle Stationen anfährt bleibt jedem Fahrer selber überlassen.

So weit so gut, im Vorfeld stand in der Ausschreibung, daß man mit 120km Strecke und 2500 Höhenmeter rechnen soll. Da ich selber ja nicht DER Mountainbiker bin hörte sich das für mich nach einer brutalen Strecke an. Wie so oft konnte ich auch nicht wirklich viel trainieren, weil ich schlicht durch meine private und berufliche Eingespanntheit nicht die langen Trainingszeiten aufwenden konnte, wie ich sie gerne gehabt hätte. Aber die Erfahrung von Karwendelmarsch und co hat mich ja auch gelehrt, daß ich tatsächlich eine gute konditionelle Basis besitze, die ich dann noch auf das jeweilige Event zuschneidern muß. So saß ich halt tatsächlich wenig im Sattel. Die vorletzte Woche vor dem Rennen verbrachte ich dann auch im Urlaub auf Texel. Mein Radel war mit dabei und wurde auch genutzt, wenn auch erneut nicht soooo viel. Immerhin konnte ich neben den kleinen Touren zum Strand auch Abends eine große zweistündige Runde drehen. Ansonsten fuhr ich ein paar Mal mit dem Radel zur Arbeit (hin und zurück etwa 80min), drehte ein paar Runden mit meinen Bike-Jungs, mit Basti und am letzten Sonntag vor dem Rennen fuhr ich von einer Geburtstagsfeier in Wesseling-Uedorf nach Hause ins Siebengebirge.

Am Dienstag vor dem Rennen am 17.10. begann das kleine Chaos, als Red Bull ein FAQ zu dem Rennen ins Netz stellte. Dieses FAQ habe ich nur durch Zufall auf der Arbeit gesehen, wurde aber am Mittwoch auch erneut als Email verschickt. Die FAQ wurden noch geändert, aber ich meine, daß eigene GPS-Geräte nicht erlaubt waren. Weiterhin wurde die Streckenlänge auf 150km erhöht neben nun lustigen 3000 Höhenmetern. Das Rennen sollte im Gegensatz zum Jahr davor mit einem Smartphone bestritten werden. Mittlerweile steht auch in den FAQ, daß man eine „Powerbank“ also quasi einen Ersatzakku gestellt bekommt. Dies war am Anfang nicht klar, aber ich will hier nicht zu viel meckern. Sagen wir mal: Die Ansagen von Red Bull hätten viel deutlicher und viel früher erfolgen sollen.

Am Donnerstag wurden dann die einzelnen Stationen ins Netz gestellt. Netterweise wurden diese von den Kumpels meines Freundes in eine sinnvolle Reihenfolge gebracht und auch an mich übermittelt. Ich habe dann mein Handy mit der entsprechenden App bestückt und auch glücklicherweise noch ein Routingprogramm dazugepackt. Den Track habe ich zusätzlich aufgespielt.

Am Samstag ging es dann verdammt früh los. Ich nahm die erste Fähre in Linz nach Remagen. Dort wurde ich von Christoph eingesammelt und es ging ab nach St.Goar auf die Burg Rheinfels. Dort war alles schon in Aufruhr, der Startplatz wurde vorbereitet und die Fahrer wuselten schon durch die Gegend.

Tatsächlich bekamen wir ein richtig dickes Fahrerpaket! Schon alleine dafür hätte es sich die Anreise schon gelohnt. Ich nenne nun einen Evoc-Rucksack mit Red-Bull-Stick, einen Evoc-Kulturbeutel, ein Red-Bull-Trikot, die Powerbank, eine Handyschutzhülle mit Fahrradhalter, sowie diverse Zeitschriften und „Kleinkram“ mein eigen.

Ach so, ich vergaß bis jetzt zu erwähnen, daß es ordentlich kalt war. Brrrrr, 6° Celsius. Das Startschild wurde dann mit Kabelbindern am Rad befestigt, leider gab es bei der Ausgabe keine Schere und nix. Mein Handy paßte zwar in die Schutzhülle, aber die Powerbank nicht. Auch Klebeband oder irgendwas anderes gab es nicht zum Befestigen.

Dann ging es zur Fahrerbesprechung, natürlich standesgemäß mit RedBull-Produkten zum Wachwerden. Kurze Zeit später ging es dann an den Start, der in Wellen erfolgte. Leider startete ich nicht mit Christoph zusammen und ich habe mich auch nicht bemüht ihn „einzusammeln“, was mit Sicherheit das Rennen im Verlauf deutlich erleichtert hätte.

Vom Start weg mußte man sofort steil bergauf, aber nur für ein paar hundert Meter. An der ersten Kreuzung trafen sich einige kleine Gruppen, um von dort aus loszuziehen. Hier beging ich den Fehler mich keinem meiner „Buddies“ anzuschließen und ich fuhr einfach los. Ich wählte die „Nordrunde“. Nach nur wenigen Minuten fiel mir das nächste große Problem auf: Kalt -> Handschuhe -> Handy-Display. Merkste wat?!? Erst mal schob ich das Problem etwas nach hinten, da noch genug Biker in meiner Nähe fuhren. Vor dem ersten Zollpunkt beschloss ich dann aber für mich, daß ich mich erst mal mit dem Handy auseinandersetzen muß und wenn ich das nicht schaffen würde… Ab zurück zur Burg und Abbruch. An der Station sackte ich dann meine erste Münze ein. Im Anschluß stellte ich mich an den Wegesrand und wurschtelte frustriert in der App rum. Dann kam der Lichtblick in Form eine freundlichen Mitfahrers: „Hast Du ein Problem?“ Nach einem kurzen Gespräch nahm mich Ralf, wie mein neuer Kumpel hieß, mit auf die Reise. Nach kurzer Zeit fuhren wir mit Höllentempo am Rhein bergauf in Richtung Boppard. Diesem Tempo konnte ich niemals standhalten, so daß ich nach einigen Minuten schon netterweise im Windschatten mitfahren durfte. Bei der Firma Sebamed, die auch einige Sachen gesponsort hatte, ergatterten wir die 2.Münze und zischten weiter nach Boppard. Hier hätten wir die Möglichkeit gehabt, die Seilbahn nach oben zu nutzen, aber Ralf wollte fahren. Unter anderem, weil dies hier die langsamste Seilbahn der Welt ist (vermutlich). Ich fuhr also mit bergauf, konnte aber der brutal guten Kondition von Ralf nichts entgegensetzen. Oben angekommen bekam ich dann mit hängender Zunge meine 3.Münze und mußte mich dann erneut mit meinem Handy auseinandersetzen. Zum Glück hatte ich am Abend zuvor noch eine App mit Routingfunktion aufgespielt, die ich nun dankbar nutzte. Zuerst einmal mußte ich mich aber durch verschiedene Menü-Ebenen wurschteln, bis ich die App einigermaßen nutzen konnte.

Dann gings endlich weiter. Zwischendrin stand ich mitten in der Pampa und hatte Sorge jemals wieder in die Zivilisation zurückzufinden. Aber egal… hihihi. Nach einem eklig langen Anstieg auf matschigem Boden ging es endlich wieder auf einem Pfad bergab, der nach einigen hundert Metern auch über eine kurze schnuckelige Holzbrücke führte. Ich fuhr auf die scheinbar trockene Brücke und fand mich sofort auf dem Boden der Tatsachen wieder! Die Brücke war glatt wie Schmierseife! Ich hab mich dann hochgerappelt und hörte schon die nächsten beiden Biker (endlich sah ich noch mal jemanden!). Trotz kurzem Warnruf von mir fanden sich die beiden Damen erst fahrend und dann ganz schnell liegend auf der Brücke wieder. Von der dann anrauschenden 4er-Gruppe konnte auch nur einer dem Drang wiederstehen die Brücke mit dem Rad zu befahren und dann auf der Nase zu liegen. Tja, mehr als warnen kann ich ja nicht, gell?!

Da ich ordentlich auf den Po geknallt war, schüttelte ich meine Haxen etwas länger aus, während die Gruppe schon wieder loszuckelte. Mein Handy wählte aber einen anderen Weg, so daß sich unsere Wege schon wieder trennten.

Vor der nächsten Burg sammelte ich einen anderen Fahrer auf, dessen Name mir leider entfallen ist. Wie sich herausstellte war er aber auch in Driedorf bei dem 24h-Rennen dabei und hatte dort mit seinem Sohn den dritten Platz belegt. Er hatte aber dramatische Probleme mit der Navigation und so schloß er sich mir dankbar an. Damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet, aber zu zweit fährt sichs ja leichter. Kurze Zeit später sammelten wir an der nächsten Burg die nächste Münze ein. Erneut waren, wie mittlerweile schon gewohnt, die Betreuer vor Ort sehr nett, freundlich und hilfsbereit.

Schon kurze Zeit später rollten wir an der nächsten Station und wieder einer Burg ein. Diese Station gefiel mir am Besten. Eine schön restaurierte kleine Burg mit kleinem Zugang über eine Brücke. Es lief mittelalterliche Musik und hier bekamen wir auch Suppe nebst der sonst üblichen Verpflegung. Endlich bekam ich hier auch Tesafilm, um die Powerbank an meinen Rahmen zu kleben. Mein Handyakku war zu dem Zeitpunkt auch schon am Jaulen. Ach so, als wir in die Burg einfuhren traf ich auch noch mal kurz meinen „Erstbuddy“ Ralf.

Nach kurzer Pause nahmen wir den kürzesten Weg von der Burg zur nächsten Station: Endlich mal ein Trail! Wenn auch ein knackiger, heftiger! Aber er erinnerte mich irgendwie ans Siebengebirge. Gewohntes Terrain, also keine Probleme. Mein Mitfahrer legte sich aber ein Mal auf die Nase und danach schleifte seine Vorderbremse und quietschte uns ab dann lustig ins Ohr. Die nächste Station war kurze Zeit später erreicht und lag neben einem kleinen Gehöft mitten in der Pampa. Von hier aus wählten wir den vermeintlich längeren Weg, der dann uns dann aber über eine Straße Zeit sparen sollte. Und mein neuer Mitfahrer rauschte davon. Ich erklärte ihm noch einigermaßen den Weg, aber dann begann quasi ein Running-Gag: Immer wenn ich an der nächsten Station auftauchte war er noch nicht da gewesen, tauchte dann aber auf, wenn ich gerade meine Münze wegpackte. Das hatte was von Hase & Igel.

Im weiteren Verlauf fuhr ich also quasi alleine und traf meinen Buddy immer an der nächsten Station wieder. Was hier keiner weiteren Erwähnung bedarf. Mein Pöppes machte mir dann auch solche Probleme, daß ich mir ein leichtes Schmerzmittel gönnte, was nach kurzer Zeit echt gut funktionierte.

Irgendwann war ich wieder oberhalb des Rheins an einer Station. Perfekter Blick, aber rattenkalt durch den Wind. Die Jungs vor Ort taten mir echt leid. Und, natürlich, tauchte mein Kumpel wieder auf. Von dort aus war es nur ein ganz kurzes Stück bis zur nächsten Station unten in einem kleinen Ort. Was soll ich sagen?! Als ich ankam war mein planloser Freund mal wieder nicht dort gewesen. Ich bekam aber ein Stück frischen Apfelkuchen. Der war sogar noch warm! Ein Traum! Hier zeigte sich dann leider erneut ein Batterieproblem. Meine Powerbank war leergelutscht und mein Handy am Limit. Auf Nachfragen gab es aber keine Powerbank mehr. Ich solle nach der Karte fahren, hieß es von der Rennleitung. Schönen Dank auch. Wenn ich die Karte noch finde stelle ich ein Foto rein. Die Detailgenauigkeit der Karte ist so in etwa wie das Brettspiel „Die Siedler“. Anders gesagt hätte man auch einen Globus zu Rate ziehen können hihihi. In dem nächsten Ort direkt am Rhein sammelte ich zwei weitere Münzen ein und überlegte, wie ich nun weiter agieren sollte…

Letztlich fuhr ich den Rhein runter nach Süden und zur nächsten Burg den Rheinhang hoch. Meine Hoffnung war es hier noch eine Powerbank zu ergattern. Leider hatte ich kein Glück und den Rest meines Handyakkus benötigte ich ja auch noch für die Rückkehr zur Burg Rheinfels. Also war hier quasi Schluß aufgrund technischer Probleme. Ich fuhr also zurück am Rhein entlang Richtung Norden, sammelte unterhalb der Burg Rheinfels meine letzte Münze ein und tammelte dann den Berg hoch.

An der Burg angekommen wurde ich dann durch die Burganlage gelotst. Teils mußte ich hier schon mein Bike Treppen rauftragen. Im oberen Bereich gelangte ich dann in die Partyzone. Hier war schon relativ viel los, so daß ich üerhaupt nicht blickte, wo ich denn nun hin muß. Tatsächlich mußte ich dann mein Radel ganz oben auf den höchsten Turm tragen, was ich erneut als ausgemachten Blödsinn und Schikane empfand. Teilweise mussten die nachfolgenden Biker dies auch nicht tun, weil schlicht zu wenig Platz auf dem Turm war. Oben wurde ich dann mittelalterlich begrüßt, meine (wenigen) Münzen wurden ausgezählt und ich wurde beglückwunscht. Fein, Rennen vorbei!

Aufgrund der Batteriegeschichte war ich ziemlich früh im Ziel, so daß es mich wenig überraschte, daß meine Leute aus Bonn wesentlich mehr Münzen abgreifen konnten.

Am frühen Abend war ich dann wieder homi und ließ mich glücklich und zufrieden in die Badewanne gleiten. YIIIIHAAAAA! Am nächsten Tag merkte ich meinen Pöppes noch recht deutlich, aber Muskelkater und co hatte ich gar nicht. Erschreckend war für mich, was für hohe Tempi meine Mitfahrer ohne Ermüdungszeichen fahren konnten. Ich hätte mein Tempo auch noch deutlich länger fahren können, war aber wesentlich langsamer. Verrückt. Aber für mein geringes Trainingspensum bin ich mit meiner Leistung zufrieden. Am Ende landete ich im 2.Drittel aller Fahrer.

Resumee: Eigentlich ein sehr feines Rennen, wenn die Unwägbarkeiten seitens RedBull nicht gewesen wären. Aber ich hoffe und glaube, daß sie das Event noch optimieren und ich werde beim nächsten Mal schlicht und einfach mein eigenes GPS-Gerät mitnehmen und gut ist. Damit hätte ich wahrscheinlich locker eine Stunde Organisationszeit eingespart und die Batterien hätten bis zum nächsten Tag gereicht. Letztlich saß ich verdammt lange im Sattel ohne größere Probleme. Wenn der Termin paßt bin ich in 2016 wieder dabei!

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